Was ist die EHEDG?
EHEDG steht für European Hygienic Engineering & Design Group. Nach ihrer eigenen Website vernetzt sie seit 1989 Lebensmittelproduzenten, lebensmittelverarbeitende Unternehmen, Gerätehersteller, Universitäten, Forschungsinstitute und Gesundheitsbehörden. Als Mission nennt sie, das Bewusstsein für hygienegerechtes Design und Engineering zu schärfen, Leitlinien und Lösungen zu entwickeln und eine Plattform für Fachwissen und Vernetzung bereitzustellen.
Was sind die EHEDG-Richtlinien?
Die EHEDG-Richtlinien (Guidelines) sind laut EHEDG-Website ein Bestand von über 50 Dokumenten zu 10 Schwerpunktbereichen; die ersten befassten sich mit Rohrverbindungen und Ventilen. Firmen- und Institutsmitglieder haben freien Zugang zu allen Guidelines, Nichtmitglieder können einzelne Guidelines kaufen.
Zum Schweißen und zu Werkstoffen führt die Guideline-Liste der EHEDG unter anderem diese Titel:
- Doc. 8 „Hygienic Design Principles“,
- Doc. 9 „Welding stainless steel to meet hygienic requirements“,
- Doc. 32 „Materials of construction for equipment in contact with food“,
- Doc. 35 „Hygienic welding of stainless steel tubing in the food processing industry“.
Die Inhalte dieser Richtlinien gibt diese Seite nicht wieder.
Was bedeutet EHEDG-Zertifizierung?
Die EHEDG hat nach eigener Darstellung Methoden für die Prüfung und Zertifizierung von Ausrüstung für die Lebensmittelherstellung entwickelt; die Prüfungen führen von der EHEDG zugelassene Laboratorien durch. Zertifiziert wird damit Ausrüstung, die EHEDG führt dazu eine Liste der zertifizierten Ausrüstung.
Einordnung: Eine solche Zertifizierung bezieht sich auf das Ausrüstungsteil. Sie ersetzt nicht die Nachweise der Schweißtechnik, mit denen der Hersteller belegt, wie er seine Nähte fertigt.
Die Schweißnaht im Hygienic Design
Die guten hygienischen Eigenschaften von Edelstahl beruhen laut ISER-Merkblatt 824 im Wesentlichen auf der Passivschicht. Sie bildet sich nur auf einer metallisch blanken Oberfläche; Fremdstoffe wie Eisenabrieb, Schleifmittel und Strahlgut, Zunder und Anlauffarben oder chromverarmte Bereiche verhindern nach dem Merkblatt örtlich ihre Bildung. Eine geringe Rauheit fördert danach eine geschlossene Passivschicht, sehr glatte Oberflächen erschweren unter normalen Umständen zudem stark das Anhaften und den Aufwuchs von Mikroorganismen.
Zur Konstruktion schreibt Merkblatt 824, dass sich der Reinigungsaufwand erheblich reduzieren lässt, wenn verschmutzungsanfällige Konstruktionen vermieden werden, und dass die zu reinigenden Flächen gerade im Innenbereich gut erreichbar sein sollten. ISER-Merkblatt 823 rät, enge Spalte nach Möglichkeit konstruktiv zu vermeiden; warum, erklärt Spaltkorrosion.
Einordnung: Bei einer einseitig geschweißten Rohrnaht liegt die Wurzel auf der Innenseite, bei einer Produktleitung also auf der produktberührten Seite. Wie sie beim Schweißen geschützt wird, steht unter Formieren von Edelstahl; wie eine besonders glatte Oberfläche entsteht, unter Elektropolieren von Edelstahl.
Orbitalschweißen in der Hygiene-Rohrleitung
Dass das Schweißen von Edelstahlrohren ein eigenes Hygiene-Thema ist, zeigt der Titel der EHEDG-Guideline Doc. 35 (siehe oben). Einordnung: Wird die Rohrnaht mechanisiert als Orbitalnaht geschweißt, kommt für das Bedienpersonal ISO 14732 ins Spiel – die Qualifizierungsnorm für Bediener mechanisierter und automatischer Schweißeinrichtungen. Verfahren und Bedienerqualifikation erklärt Orbitalschweißen und Bedienerqualifikation nach ISO 14732 bei RohrNorm.
ASME BPE
In der Pharma- und Bioprozesstechnik begegnet Anlagenbauern außerdem die ASME BPE (Bioprocessing Equipment), ein Regelwerk der US-amerikanischen ASME. Laut ASME regelt sie Anforderungen an Ausrüstung für die Bioprozess-, Pharma- und Körperpflegeindustrie und andere Anwendungen mit vergleichsweise hohen Hygieneanforderungen – von Werkstoffen über Konstruktion und Fertigung bis zu Prüfung und Zertifizierung. Inhalte gibt diese Seite nicht wieder; was ein BPE-Auftrag für die Schweißdokumentation bedeutet, steht unter ASME BPE.
Was die Schweißdokumentation beiträgt
Einordnung: Ob eine Anlage hygienegerecht konstruiert ist, wird an der Konstruktion und gegebenenfalls am zertifizierten Ausrüstungsteil beurteilt. Die Schweißdokumentation liefert dazu den Teil, der die Nähte betrifft: Schweißanweisung, Verfahrensprüfung, Qualifikation der Schweißer und Bediener, eingesetzte Zusatzwerkstoffe und die Prüfnachweise der Nähte.
EdelstahlNorm bewertet kein Hygienic Design. Die Software führt die Nachweise der Schweißtechnik — Schweißanweisungen, Verfahrensprüfungen mit Werkstoffgruppen nach ISO 15608, Schweißerqualifikationen, Zusatzwerkstoffe und Prüfmittel.
Dieser Text ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung und kein Normersatz. Grundlage sind die Website der EHEDG (Abruf 05.10.2026), das ISER-Merkblatt 824 „Reinigung von Edelstahl Rostfrei“ (2. Auflage 2024), das ISER-Merkblatt 823 „Schweißen von Edelstahl Rostfrei“ (5. Auflage 2019) und die Produktbeschreibung der ASME BPE (Ausgabe 2026, Abruf 05.10.2026); maßgeblich ist der Wortlaut der jeweils gültigen Fassung.