Was ist die ASME BPE?
Die BPE (Bioprocessing Equipment) ist ein Regelwerk der US-amerikanischen ASME. Laut ASME regelt sie die Konstruktion von Ausrüstung für die Bioprozess-, Pharma- und Körperpflegeindustrie und für andere Anwendungen mit vergleichsweise hohen Hygieneanforderungen und umfasst Werkstoffe, Konstruktion, Fertigung, Prüfungen, Tests und Zertifizierung. ASME nennt außerdem, dass der Rohrleitungs-Code ASME B31.3 auf die BPE verweist.
Aktuell ist laut Inhaltsverzeichnis die Ausgabe BPE-2026, herausgegeben am 1. Mai 2026 als Revision der BPE-2024; sie wird sechs Monate nach Herausgabe wirksam, die nächste Ausgabe ist für 2028 angekündigt. Einordnung: Welche Ausgabe gilt, gehört deshalb ausdrücklich in den Auftrag.
Wo die BPE die Schweißnaht regelt
Das Inhaltsverzeichnis der BPE-2026 zeigt die Gliederung. Die Schweißnaht steht vor allem in Part MJ „Materials Joining for Multiuse“:
- MJ-3 Nahtgestaltung und Nahtvorbereitung
- MJ-4 Fügeverfahren und -anweisungen
- MJ-5 Verfahrensqualifizierung, MJ-6 Qualifizierung des Personals
- MJ-7 Prüfung, Inspektion und Tests, MJ-8 Akzeptanzkriterien
- MJ-10 Anforderungen an die Dokumentation
Dazu kommen der allgemeine Teil mit GR-4 (Prüfung, Inspektion, Tests) und GR-5 (Dokumentation) sowie Part SF für die Oberflächen mit Produktberührung („Process Contact Surface Finishes for Multiuse“). Die Inhalte dieser Abschnitte sind nicht frei zugänglich; die Überschriften zeigen aber, wonach ein Kunde fragen wird.
Was der Kunde von der Schweißdokumentation erwarten wird
Qualifizierte Schweißer und Bediener. Laut dem Überblick der ECA Academy zur BPE-2026 enthält Part MJ ein neues Beispiel für die Qualifizierung von Schweißbedienern (WOPQ, Welding Operator Performance Qualification), um die Anforderungen der BPE und der B31.3 an das Schweißpersonal besser abzugleichen. Einordnung: Ob der Kunde Qualifikationen nach ISO 9606-1 und ISO 14732 anerkennt oder Qualifikationen nach dem ASME-Regelwerk verlangt, ist vor der Auftragsannahme zu klären — die Fristen der ISO-Qualifikationen stehen unter Schweißerprüfung: Fristen.
Ein Protokoll je Schweißnaht. Das Inhaltsverzeichnis der BPE-2024 führt ein Formular „Weld and Examination/Inspection Log“ (WEL-1). Laut einem Fachbeitrag von Barbara K. Henon (Arc Machines), der sich auf die damalige Ausgabe BPE-2007 bezieht, trägt jede Naht des Systems eine eigene Nummer, die sich auf eine Isometrie zurückführen lässt — eine sogenannte Weld Map. Einordnung: Nahtnummer, Schweißer, Schweißanweisung, Prüfung und Ergebnis gehören deshalb je Naht zusammen geführt, nicht je Auftrag.
Bewertete Anlauffarben. Die BPE-2024 enthält laut Inhaltsverzeichnis Akzeptanztabellen für Verfärbungen an Naht und Wärmeeinflusszone bei elektropolierten und mechanisch polierten Rohren aus UNS S31603 sowie einen erläuternden Anhang. Laut ECA-Überblick ergänzt die BPE-2026 Hinweise zu Grenzen für Anlauffarben in der Wärmeeinflusszone von Orbitalnähten. Ein Beitrag in der ISPE-Zeitschrift Pharmaceutical Engineering (Juli/August 2024) beschreibt, ohne die BPE-Ausgabe zu nennen, dass das Kriterium für die Nahtraupe von „keine Farbe“ auf eine nach Farbtafeln anerkannte Färbung geändert wurde. Was Anlauffarben sind und wie Formieren sie begrenzt, steht unter Anlauffarben an Edelstahl und Formieren.
Oberflächenklassen SF1 und SF4
Part SF legt Oberflächenklassen für produktberührte Flächen fest. Zwei Herstellerangaben nennen für die Klassen SF1 und SF4 dieselben Werte: Laut der Spezifikation von Dockweiler für Rohre und Fittings nach ASME BPE 2024 und laut Alfa Laval ist SF1 mechanisch poliert mit einem Mittenrauwert Ra von höchstens 0,51 µm, SF4 elektropoliert mit Ra höchstens 0,38 µm. Für andere Klassen gilt der Text der vereinbarten BPE-Ausgabe. Wie Elektropolieren abläuft, steht unter Elektropolieren von Edelstahl.
Einordnung: Die Oberflächenklasse betrifft das Rohr und die Nachbehandlung; für die Schweißnaht selbst gelten die Akzeptanzkriterien aus Part MJ. Beides gehört getrennt in die Prüfplanung.
Vor der Auftragsannahme klären
Einordnung: Wer nach EN ISO arbeitet und einen Auftrag mit BPE bekommt, klärt am besten schriftlich, bevor geschweißt wird:
- welche BPE-Ausgabe gilt (2024 oder 2026),
- ob Schweißanweisungen, Verfahrensprüfungen und Qualifikationen nach EN ISO anerkannt werden oder ASME-Nachweise gefordert sind,
- welcher Prüfumfang gilt — Sichtprüfung außen und innen, Anteil endoskopisch geprüfter Nähte, Probeschweißungen,
- welche Akzeptanzkriterien für Naht und Anlauffarben gelten und wer sie bewertet,
- welche Oberflächenklasse und welche Dokumente übergeben werden.
Die Grenzwerte der Akzeptanzkriterien stehen im Normtext, den der Kunde oder ASME bereitstellt — nicht auf dieser Seite. Wie Hygienic Design und EHEDG die Naht sehen, steht unter Hygienic Design, das Thema Rouge in Pharma-Wassersystemen unter Rouging.
Was die Software beiträgt
EdelstahlNorm bildet die ASME BPE nicht ab und bewertet keine BPE-Akzeptanzkriterien. Die Software führt die Nachweise der Schweißtechnik — Schweißanweisungen, Verfahrensprüfungen mit Werkstoffgruppen nach ISO 15608, Schweißerqualifikationen, Zusatzwerkstoffe und Prüfmittel.
Dieser Text ist eine Einordnung, keine Rechtsberatung und kein Normersatz. Grundlage sind die Produktbeschreibung der ASME BPE-2026, die Inhaltsverzeichnisse der BPE-2026 und der BPE-2024, der Überblick der ECA Academy zur BPE-2026 (05.08.2026), der ISPE-Beitrag zu Verfärbungen an Pharma-Schweißnähten (2024), die Dockweiler-Spezifikation „Tubes and Fittings according to ASME BPE 2024“, die ASME-BPE-Seite von Alfa Laval und B. K. Henon, „Considerations for Orbital Welding of Corrosion Resistant Materials to the ASME Bioprocessing Equipment (BPE) Standard“ (bereitgestellt von ASME, Stand BPE-2007), Abruf jeweils 05.10.2026; maßgeblich ist der Wortlaut der vereinbarten BPE-Ausgabe.